Siebdruck: Wie er funktioniert und was dein Logo braucht
Siebdruck erklärt: ein Sieb pro Farbe, wann er sich gegenüber DTF und Flex lohnt und welche Vektordatei deine Druckerei für das Logo braucht.
Von Gaël Pons
Veröffentlicht am
Siebdruck ist ein Druckverfahren, bei dem ein Gummischieber (die Rakel) Farbe durch ein feines Gewebe drückt. Eine Schablone lässt es nur dort offen, wo dein Logo sitzt; jede Farbe braucht ein eigenes Sieb. Siebdruck lohnt sich bei Serien mit wenigen flächigen Farben (Volltonfarben) und braucht eine Vektordatei (Formen statt Pixel).
Was ist Siebdruck?
Siebdruck ist ein Durchdruckverfahren: Eine Rakel, also ein Gummischieber, presst die Druckfarbe durch ein feinmaschiges Gewebe auf das Material, und eine Schablone verschließt die Maschen überall dort, wo keine Farbe hin soll. So beschreibt es der Wikipedia-Artikel zum Siebdruck, der das Verfahren neben Hochdruck, Tiefdruck und Flachdruck als eigene Gruppe führt.
Das Gewebe heißt Sieb, ist auf einen Rahmen gespannt und besteht heute meist aus Polyester: Wikipedia nennt Polyestergewebe für 90 % aller Siebdruckarbeiten. Bedruckt wird damit vieles, im Textildruck von T-Shirts und Sporttaschen bis zu Fahnen und Teppichen. Wenn es um dein Logo geht, ist meist der Textilsiebdruck gemeint: auf T-Shirts, Hoodies, Sweatshirts oder Tote Bags. Typisch ist eine vergleichsweise dicke Farbschicht, die kräftig deckt.
Wie funktioniert Siebdruck auf einem T-Shirt?
Siebdruck auf einem T-Shirt läuft in vier Schritten ab: Die Druckerei gibt jede Farbe deines Logos als eigenen Film aus, belichtet damit je ein Sieb, drückt die Farben nacheinander auf den Stoff und lässt den Druck anschließend aushärten.
- Der Film. Jede Druckfarbe wird als eigener Film ausgegeben. Er darf nur schwarze und durchsichtige Stellen enthalten, keine halbdeckenden Graustufen.
- Die Schablone. Das Sieb wird mit einer lichtempfindlichen Kopierschicht bestrichen und unter dem Film belichtet. Wo Licht durchkommt, wird die Schicht wasserfest; die abgedeckten Stellen, also dein Motiv, werden mit Wasser ausgewaschen.
- Der Druck. Das Sieb liegt auf dem T-Shirt, die Rakel zieht die Farbe darüber und drückt sie durch die offenen Maschen. Bei einem mehrfarbigen Logo folgt Sieb auf Sieb, jede Farbe exakt auf ihrem Platz.
- Das Aushärten. Im Textildruck kommen oft Plastisolfarben zum Einsatz. Sie brauchen Hitze, um auszuhärten: bei vielen Farben rund 150 °C.
Warum braucht jede Farbe ein eigenes Sieb?
Jede Farbe braucht im Siebdruck ein eigenes Sieb, weil eine Schablone immer nur eine Farbe durch ihre offenen Maschen lässt: Ein zweifarbiges Logo bedeutet zwei Schablonen, zwei Druckgänge und zweimal Ausrichten. Der Wikipedia-Artikel zum Textildruck nennt die Folge beim Namen: vergleichsweise hohe Fixkosten.
Diese Kosten entstehen einmal für die ganze Serie, egal wie viele Teile danach durch die Maschine laufen. Auf eine Handvoll Shirts verteilt, verteuern sie jedes Stück spürbar; bei großen Stückzahlen fallen sie kaum noch ins Gewicht. Jede Farbe, die du einsparst, ist ein Sieb weniger.
Auf dunklen Textilien spielt Weiß eine Sonderrolle: Für Fotos auf dunklem Stoff braucht es laut Wikipedia „neben Weiß noch 6 bis 18 Farben“. Frag bei einem farbigen Logo auf Schwarz oder Navy deshalb nach, ob die Druckerei einen weißen Unterdruck einplant. Das wäre ein Sieb mehr.
| Dein Logo | Im Siebdruck | Was du tun kannst |
|---|---|---|
| Wenige Volltonfarben, klare Flächen | Der Idealfall | Nichts ändern |
| Viele Farben | Machbar, jedes Sieb kommt dazu | Ähnliche Töne zu einer Farbe zusammenlegen |
| Farbverlauf oder Schlagschatten | Wird in Rasterpunkte zerlegt | Durch Flächen ersetzen oder DTF wählen |
| Foto | Nur gerastert und mit viel Aufwand | Einen DTF-Transfer prüfen |
Wann lohnt sich Siebdruck und wann nicht?
Siebdruck lohnt sich, wenn viele gleiche Teile mit wenigen Volltonfarben bedruckt werden: Für große Stückzahlen ist er laut Wikipedia das günstigste Verfahren im Textildruck. Bei Einzelstücken und Kleinserien, erst recht mit Fotos oder Farbverläufen, sind andere Techniken meist sinnvoller, denn im Textildruck entscheidet oft die Auflage darüber, welches Verfahren das richtige ist.
| Verfahren | So entsteht der Druck | Stark bei |
|---|---|---|
| Siebdruck | Ein Sieb pro Farbe, Farbe direkt auf den Stoff | Großen Stückzahlen, wenigen Volltonfarben |
| DTF-Transfer | Motiv digital auf Folie gedruckt, dann aufgepresst | Kleinen Mengen, feinen Details, vielen Farben |
| Flexfolie | Motiv aus einfarbiger Folie geschnitten, dann aufgepresst | Einzelstücken, einfachen Schriftzügen |
Beim DTF-Transfer werden die CMYK-Farben auf eine PET-Folie gedruckt und mit Weiß hinterlegt; danach presst Hitze das Motiv auf den Stoff. Laut der englischen Wikipedia gilt er in der Branche als Ergänzung zum Siebdruck, vor allem bei feinen Details und kleinen Aufträgen. Die Flexfolie (oder die samtige Flockfolie) eignet sich nur für Vektorgrafiken ohne Farbverläufe; ihre Kosten pro Stück bleiben nahezu gleich, ob du eines oder viele bestellst. Eine Stickerei stickt dein Logo mit Garn auf den Stoff und macht aus der Vektordatei dafür erst eine Stickdatei.
Welche Datei braucht die Druckerei für den Siebdruck?
Für den Siebdruck braucht die Druckerei eine Vektordatei (SVG, PDF, EPS oder AI) ohne Hintergrund, mit Volltonfarben, in Pfade umgewandelter Schrift und Linien, die das Sieb noch sauber wiedergeben kann. Eine Vektordatei beschreibt dein Logo mit Formen statt mit winzigen Farbquadraten und bleibt deshalb in jeder Druckgröße scharf. Was dahintersteckt, erklärt unser Ratgeber, was Vektorisieren bedeutet und wie es geht.
- Eine Vektordatei, kein JPG. Der Film für die Schablone wird aus klaren Formen erzeugt. Ein vergrößertes JPG bringt Treppenkanten mit, die jemand erst glätten muss.
- Volltonfarben mit Farbnummer. Weil jede Farbe ihr eigenes Sieb bekommt, druckt der Siebdruck ein Logo meist in Volltonfarben statt als CMYK-Mischung. Eine solche Sonderfarbe erreicht auch Töne außerhalb des Vierfarbdrucks. Nenn für jede Farbe eine Nummer aus einem Farbfächer, etwa Pantone oder HKS. Der HKS-Farbfächer umfasst 88 Basisfarben und insgesamt 3.520 Volltonfarben.
- Schrift in Pfaden. Ist deine Schrift bei der Druckerei nicht installiert, sieht der Text beim Öffnen womöglich anders aus. In Illustrator wählst du dazu Text > In Pfade umwandeln.
- Kein Hintergrund. Ein weißer Kasten rund um das Logo kann mitgedruckt werden, auf einem dunklen Shirt als helles Rechteck.
- Keine Haarlinien. Siebgewebe gibt es mit etwa 5 bis 200 Fäden pro Zentimeter, und auf groben Geweben lassen sich keine feinen Linien drucken. Frag deine Druckerei, welche Strichstärke sie mindestens braucht.
- Deine Angaben dazu. Textil, Textilfarbe, Druckposition und gewünschte Breite des Logos gehören in dieselbe Nachricht.
Kennst du die Farbcodes deines Logos nicht, zeigt dir der Farbcode-Finder HEX, RGB und einen geschätzten CMYK-Wert. Eine Pantone- oder HKS-Nummer liefert er nicht: Die suchst du gemeinsam mit der Druckerei am Farbfächer aus.
Was bedeutet Farbseparation im Siebdruck?
Farbseparation bedeutet im Siebdruck, dass dein Logo in eine Ebene pro Druckfarbe zerlegt wird; aus jeder Ebene entstehen ein Film und dann ein Sieb. Weil ein Film keine Graustufen kennt, wird ein Farbverlauf dabei in Rasterpunkte übersetzt, im Siebdruck meist im AM-Raster: Die Punkte stehen in gleichem Abstand, sind in hellen Partien klein und in dunklen größer.
In einer Vektordatei mit Volltonflächen ist die Trennung schnell erledigt: Alle Formen einer Farbe kommen auf dieselbe Ebene. Bei einem JPG muss das Logo vorher neu aufgebaut werden. Viele Druckereien übernehmen die Separation selbst. Eine Datei, in der jede Farbe auf einer eigenen Ebene liegt und nach ihrer Farbnummer benannt ist, spart trotzdem Rückfragen.
Wie prüfst du Größe und Position deines Logos vor dem Druck?
Größe, Position und Kontrast deines Logos prüfst du am besten mit einem Mockup, einem realistischen Vorschaubild des bedruckten Kleidungsstücks. Wofür sich das sonst noch lohnt, liest du in unserem Artikel, was ein Mockup ist und wie du eins erstellst.
Im kostenlosen T-Shirt-Mockup setzt du dein Logo auf T-Shirt, Hoodie, Sweatshirt oder Tote Bag, in neun Textilfarben oder einer eigenen Farbe. Je nach Produkt wählst du Brust links, Brust mittig, Rücken oder Nacken und stellst die Größe per Regler ein. Unter „Druckfarbe“ schaltest du zwischen Original, Schwarz und Weiß um: So siehst du, wie dein Logo mit einer einzigen Farbe wirkt, also mit nur einem Sieb. Auf einem dunklen Stoff wird ein schwarzes, einfarbiges Logo automatisch weiß. Die 3D-Ansicht dreht das Kleidungsstück um 360°, und das HD-Mockup bekommst du kostenlos per E-Mail.
Wie wird aus deinem JPG eine Vorlage für den Siebdruck?
Aus einem JPG oder PNG wird eine Vorlage für den Siebdruck, wenn du es auf Depixelise hochlädst: In etwa zehn Sekunden werden seine Formen als saubere Pfade neu aufgebaut, und der Hintergrund fällt weg. Das Ergebnis erscheint sofort in Großansicht, mit Zoom bis 800 %.
Für einen einfarbigen Siebdruck zählt vor allem eine Datei aus dem Druckpaket: die einfarbige Version, komplett in Schwarz. Sie zeigt dein Logo so, wie es mit einer einzigen Druckfarbe aussieht, und ist damit die richtige Grundlage, wenn du der Druckerei einen Druck mit nur einem Sieb vorschlagen willst. Per E-Mail bekommst du außerdem die SVG-Datei, ein PNG mit 2.000 Pixeln und transparentem Hintergrund sowie eine weiße Negativ-Version für dunkle Textilien. Das alles ist 100 % kostenlos, ohne Konto und ohne Wasserzeichen.
Drei Grenzen solltest du kennen. Ein mehrfarbiges Logo verliert in einer einzigen Farbe manchmal Details, zum Beispiel Schrift auf einer farbigen Fläche: Schau dir die einfarbige Version deshalb genau an. Das Tool kennt weder deine Pantone- noch deine HKS-Nummern; die gibst du selbst an. Und ein sehr kleines Ausgangsbild wird automatisch vergrößert und dann neu aufgebaut: Prüf Schrift und feine Details deshalb im Zoom genau nach.
FAQ
Kann man Siebdruck selber machen?
Ja, Siebdruck klappt mit Rahmen, Gewebe, Kopierschicht, Rakel und Farbe auch zu Hause, am besten mit einem einfarbigen Motiv. Für Schule und Hobby gibt es wasserverdünnbare Siebdruckfarben, die nicht unangenehm riechen und sich mit Wasser aus dem Sieb waschen lassen. Mit jeder weiteren Farbe wird es ohne Maschine schwieriger, die Drucke passgenau übereinanderzulegen.
Warum heißt Siebdruck auch Durchdruck?
Siebdruck heißt Durchdruck, weil die Farbe durch die Druckform hindurchgedrückt wird, nämlich durch das offene Gewebe. Damit bildet er die vierte Gruppe der klassischen Druckverfahren, neben dem Hochdruck, dem Tiefdruck und dem Flachdruck, zu dem der Offsetdruck gehört.
Kann man Fotos im Siebdruck drucken?
Ja, Fotos lassen sich im Siebdruck als Rasterbild drucken, auf hellen Textilien mit Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz als lasierenden, also durchscheinenden Farben. Auf dunklen Textilien braucht es Weiß und deutlich mehr Farben, entsprechend viele Siebe. Für ein einzelnes Foto-Shirt ist ein DTF-Transfer meist der einfachere Weg.
Plastisol oder wasserbasierte Farbe: Was ist der Unterschied?
Plastisolfarbe ist die häufigste Farbe im gewerblichen Textildruck: Sie enthält PVC-Pulver und einen flüssigen Weichmacher, deckt auch auf dunklen Textilien gut und fühlt sich etwas kunststoffartig an. Wasserbasierte Farbe kann in die Faser eindringen und ergibt dann einen weicheren Griff. Welche besser passt, hängt vom Stoff und vom gewünschten Ergebnis ab.
Was ist der Unterschied zwischen Siebdruck und Serigrafie?
Serigrafie ist der Name für Kunstgrafik, die im Siebdruck entsteht: Technisch ist es dasselbe Verfahren. Der Unterschied liegt im Werk. Eine Serigrafie wird signiert, nummeriert und in kleiner Auflage gedruckt, vom Künstler selbst oder in enger Zusammenarbeit mit einer Siebdruckerei.