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Depixelise
Artikel · 4 Min.

Flock entfernen: So löst du Flex- und Flockfolie vom Shirt

Bügeleisen ohne Dampf, Papier dazwischen, Isopropanol für Klebereste: welche Beflockung sich löst, wie riskant Aceton ist und wann du aufhörst.

Von Gaël Pons

Veröffentlicht am

auf einem Bügelbrett im Sonnenlicht ziehen zwei Hände die geflockten Buchstaben VOLT. von einem schwarzen T-Shirt ab, das Bügeleisen steht daneben, am Kragen ein Depixelise-Etikett

Flock entfernen klappt oft, weil Flex- und Flockfolie mit einem Schmelzkleber halten: Erwärmst du ihn mit dem Bügeleisen, ohne Dampf und mit Papier dazwischen, lässt sich die Folie warm abziehen. Klebereste löst Isopropanol, nach einem Test an verdeckter Stelle. Ein Siebdruck hat keinen solchen Kleber und geht so nicht ab.

Welche Beflockung lässt sich entfernen und welche nicht?

Eine Beflockung lässt sich vor allem dann entfernen, wenn sie aus Flexfolie oder Flockfolie besteht. Beide werden aus einfarbigen Kunststofffolien geschnitten und mit Hitze und Druck übertragen, wie der Wikipedia-Artikel zum Textildruck beschreibt. Ihre unterste Schicht ist ein Schmelzkleber, der bei Raumtemperatur trocken ist und erst durch Hitze klebt (Flexfolie). Genau an diesem Kleber setzt du an. Dasselbe gilt für Bügelbilder, auch Aufbügler genannt, die du zu Hause mit dem Bügeleisen aufbringst.

Schau und fühl deshalb zuerst hin:

Was du siehst und fühlstWas es meist istMit Wärme lösbar?
Glatt, porenfrei, wie Kunststoff; jede Fläche einfarbigFlexfolieJa
Rau, leicht porös, wie SamtFlockfolie oder DirektflockFlockfolie ja, Direktflock kaum
Viele Farben, Farbverläufe oder ein FotoDTF-Transfer oder SiebdruckUnsicher bis nein
Erhabene Farbschicht, auch warm ohne abziehbaren RandSiebdruck mit PlastisolfarbeNein

Der Grund für die letzten Zeilen: Beim Direktflock wird der Kleber direkt auf den Stoff gedruckt und die Flockfasern werden elektrostatisch hineingeschossen. Es gibt also keine Folie, die du am Stück abziehen könntest. Ein Siebdruck mit Plastisol ist eine Farbschicht aus PVC und Weichmacher, die bei rund 180 °C aushärtet und auf dem Stoff sitzt: kein Kleber, den das Bügeleisen lösen könnte. Ein DTF-Transfer dagegen hält mit einem Schmelzpulver aus TPU und wird bei 160 bis 170 °C aufgepresst; die Trägerfolie wird danach abgezogen, auf dem Stoff bleiben nur Farbe und Kleber (Direct-to-film printing). Ob er sich lösen lässt, zeigt erst ein Versuch an einer Ecke.

Flock entfernen mit dem Bügeleisen: Wie geht das?

Flock entfernst du mit dem Bügeleisen, indem du den Schmelzkleber wieder weich machst und die Folie abziehst, solange sie warm ist. Das klappt, weil Schmelzklebstoffe beim Abkühlen umkehrbar fest werden: Erwärmt, werden sie wieder weich.

  1. Pflegeetikett lesen. Die Punkte im Bügeleisen-Symbol nennen die höchste Temperatur der Bügelsohle: ein Punkt 120 °C, zwei Punkte 160 °C, drei Punkte 210 °C, so die Pflegekennzeichnung von GINETEX. Bei einem Punkt kann Dampf den Stoff dauerhaft schädigen.
  2. Papier auflegen, Dampf aus. Leg Pergament- oder Butterbrotpapier über das Motiv und bügle ohne Dampf auf der höchsten Stufe, die das Etikett erlaubt, wie es dieser Ratgeber zum Entfernen von Aufbüglern beschreibt. Am besten klappt das bei Baumwolle und Baumwollmischungen. Das Papier hält die Folie von der Sohle fern.
  3. Stück für Stück arbeiten. Drück das Eisen einige Sekunden auf eine kleine Fläche, ohne es zu schieben.
  4. Warm abziehen. Sobald sich ein Rand löst, hebst du ihn mit der Pinzette an und ziehst die Folie langsam und flach ab.
  5. Nachwärmen statt reißen. Reißt die Folie in kleine Stücke, ist der Kleber vermutlich schon wieder fest. Wärm die Stelle erneut, statt zu ziehen.

Trikot-Beflockung entfernen: Was ist bei Polyester anders?

Eine Trikot-Beflockung entfernst du nach derselben Methode, nur auf einem empfindlicheren Stoff: Trikots werden heute aus Polyester in Form von Mikrofasern hergestellt. Prüf deshalb zuerst das Etikett: Erlaubt es nur einen Punkt, also höchstens 120 °C, liegt diese Grenze unter den 140 bis 180 °C, mit denen eine Flockfolie aufgepresst wird. Mit weniger Hitze, als beim Aufpressen im Spiel war, löst sich der Kleber langsamer oder gar nicht: Arbeite in kurzen Abschnitten und wärm lieber zweimal nach, statt das Bügeleisen heißer zu stellen, als das Etikett erlaubt.

Name und Nummer nimmst du Buchstabe für Buchstabe ab. Leg das Papier über den Buchstaben, den du abnehmen willst, und setz nur die Spitze des Bügeleisens auf, ohne die Nachbarbuchstaben zu berühren. So lässt sich auch ein falsch geschriebener Name korrigieren, ohne die Rückennummer anzufassen.

Wie bekommst du Klebereste weg?

Klebereste einer Beflockung löst du zum Beispiel mit Isopropanol (Isopropylalkohol), das als Lösungsmittel auch für Klebstoffe eingesetzt wird. Teste es zuerst an einer verdeckten Stelle, lüfte und trag Handschuhe, wie im nächsten Abschnitt beschrieben. Dann gibst du es auf ein Wattepad und drückst es von der Innenseite auf die Stelle, damit der Alkohol die Reste anlöst. Lass ihn verdunsten und bügle dann noch einmal über Papier: Die Reste bleiben am Papier hängen. Wasch das Teil anschließend so, wie es das Etikett erlaubt.

Wie gefährlich sind Aceton und andere Lösemittel?

Aceton und Isopropanol sind Lösemittel, die leicht entzündlich sind und sich nicht mit jeder Faser vertragen. Drei Regeln gelten deshalb für jedes Lösemittel, auch für einen fertigen Flockentferner aus dem Handel:

  • Lüften: Isopropanol hat einen Flammpunkt von 12 °C, seine Dämpfe wirken betäubend. Aceton hat einen Flammpunkt unter −20 °C, und seine Dämpfe sind schwerer als Luft. Arbeite bei offenem Fenster, fern von Flammen, und lass alles verdunsten, bevor du wieder bügelst.
  • Handschuhe: Aceton entfettet die Haut und trocknet sie aus. Isopropanol reizt Augen und Schleimhäute, halte es also auch vom Gesicht fern.
  • Test an einer verdeckten Stelle: Ein Tropfen an der Innennaht zeigt, ob Faser und Farbe das Mittel vertragen. Aceton, das auch als Nagellackentferner dient, löst Celluloseacetat, eine Faser, aus der zum Beispiel Blusen, Kleider und Futterstoffe bestehen. Auch Kunstfasern können durch Hitze und Alkohol Schaden nehmen.

Warum bleibt nach dem Entfernen ein Schatten?

Nach dem Entfernen kann ein Schatten oder Abdruck bleiben, weil sich Kleberspuren nie ganz ausschließen lassen und der Stoff an der Stelle verändert aussehen kann. Dazu kommt das Licht: Unter der Folie war der Stoff geschützt, während Sonnenlicht ringsum Farben sichtbar verändern kann.

Versprechen kann dir deshalb niemand ein Shirt wie neu.

Wann lässt du die Beflockung besser drauf?

Die Beflockung lässt du besser drauf, wenn das Etikett ein durchgestrichenes Bügeleisen zeigt: Das Teil darf nicht gebügelt werden, und die Wärmemethode fällt weg. Dasselbe gilt für ein Kleidungsstück mit Acetatanteil, sobald nur noch Aceton helfen würde, und für jeden Druck ohne Kleberschicht.

Sitzt der Kleber tief im Gewebe, reichen Hausmittel unter Umständen nicht mehr aus. Dann ist Überdecken die bessere Lösung: ein neues, etwas größeres Motiv an derselben Stelle, das Rest und Schatten verdeckt.

Wie kommt danach ein neues Motiv auf das Shirt?

Ein neues Motiv aus Flex- oder Flockfolie schneidet ein Schneideplotter, und der folgt den Konturen einer Vektorgrafik; eine Heißpresse überträgt es danach auf den Stoff. Für die neue Beflockung brauchst du dein Logo also als Vektordatei, eine Datei aus Formen statt aus winzigen Farbquadraten, etwa als SVG-Datei. Ein JPG besteht nur aus Pixeln und enthält keine Pfade: Der Plotter kann es erst schneiden, wenn es in Pfade umgewandelt ist. Welche Formate es sonst gibt und wer welches braucht, zeigt unser Überblick zur Vektordatei.

Sollen viele gleiche Trikots neu bedruckt werden, kommt statt Folie auch ein Siebdruck mit einem Sieb pro Farbe infrage: Bei großen Auflagen gilt er als das günstigste Verfahren im Textildruck.

Wie groß das neue Motiv sein muss, prüfst du an einem Mockup, einer realistischen Vorschau auf dem Kleidungsstück. Im kostenlosen T-Shirt-Mockup holst du dein Logo über „Logo auswählen“ dazu; die Datei bleibt dabei auf deinem Gerät. Zur Wahl stehen vier Produkte (T-Shirt, Hoodie, Sweatshirt, Tote Bag), neun Textilfarben plus eine eigene und je nach Produkt bis zu vier Druckpositionen; für Name und Nummer wählst du „Rücken“ und regelst die Logogröße selbst. In der 3D-Ansicht drehst du das Shirt einmal rundherum, und das Mockup in HD schickt dir Depixelise kostenlos per E-Mail.

Woher bekommst du eine saubere Datei für die neue Beflockung?

Eine saubere Datei für die neue Beflockung bekommst du auch dann, wenn vom Logo nur ein altes JPG oder ein Foto übrig ist: Es muss vektorisiert werden, seine Umrisse werden also als Pfade neu gezeichnet. Auf Depixelise ziehst du dafür dein Logo in das Feld; es darf als PNG, JPG, WebP oder SVG vorliegen, höchstens 10 MB groß. In etwa zehn Sekunden verschwindet der Hintergrund, und die Formen entstehen neu. Du siehst das Ergebnis sofort groß auf dem Bildschirm und prüfst jede Kante selbst, wenn du auf 800 % zoomst.

Per E-Mail kommen vier Dateien: das SVG für Plotter und Druckerei, ein PNG mit durchsichtigem Hintergrund und 2.000 Pixeln Breite, eine einfarbige Fassung und eine weiße Negativ-Fassung für dunkle Stoffe. Du brauchst kein Konto, auf den Dateien steht kein Wasserzeichen, und Depixelise ist 100 % kostenlos.

Die Dateien gehören dir: Du gibst sie weiter, an wen du willst, etwa an den Copyshop mit Plotter, an den Verein, der die Trikots bestellt, oder an deinen eigenen Schneideplotter. Verlangt eine Werkstatt eine DXF, machst du sie mit Inkscape aus dem SVG. Und ist dein Ausgangsbild sehr klein, wird es vor dem Umwandeln vergrößert und neu aufgebaut: Vergleich dann jeden Buchstaben mit dem Original.

FAQ

Was ist Flock eigentlich?

Flock sind kurze Fasern von 0,2 bis 8 mm Länge, die auf eine Kleberschicht gebracht werden und dort eine samtartige bis borstige Oberfläche bilden, so der Wikipedia-Artikel zur Beflockung. Auf Textilien kommt Flock zum Beispiel als Flockfolie, die ein Plotter zuschneidet und eine Presse aufbringt.

Geht Flock in der Waschmaschine ab?

Nein, eine intakte Beflockung ist für die Wäsche gemacht: Flockfolien sind meist bei 40 oder 60 °C waschbar, Flexfolien teilweise sogar bei 80 °C. Zum Ablösen taugt die Waschmaschine deshalb nicht.

Was ist ein Flockentferner?

Ein Flockentferner ist ein Mittel aus dem Handel, das den Kleber einer Beflockung lösen soll. Welche Stoffe darin stecken und wie du ihn anwendest, steht auf dem Etikett und in der Gebrauchsanweisung: Lies beides, bevor du die Flasche öffnest.

Kann man eine abstehende Ecke der Beflockung wieder anbügeln?

Ja, eine Ecke, die sich nur leicht löst, lässt sich wieder anbügeln: Papier darüber, Bügeleisen ohne Dampf kurz aufdrücken, abkühlen lassen. Der Schmelzkleber wird dabei wieder weich und hält nach dem Abkühlen erneut. Ist die Folie rissig oder fehlt ein Stück, hilft das nicht mehr.