Inkscape vektorisieren: dein Logo mit „Bitmap nachzeichnen“
Inkscape 1.4 Schritt für Schritt: „Einmaliger Scan“ oder „Mehrfarbig“, fünf wichtige Einstellungen und wie du dein Logo als sauberes SVG speicherst.
Von Gaël Pons
Veröffentlicht am
Ein Logo in Inkscape vektorisieren geht über „Pfad > Bitmap nachzeichnen“: Bild markieren, für eine Farbe den Reiter „Einmaliger Scan“ wählen, für mehrere „Mehrfarbig“, dann auf „Anwenden“ klicken. Danach löschst du das Originalbild und speicherst das Ergebnis als normales SVG.
Wo findest du „Bitmap nachzeichnen“ in Inkscape?
„Bitmap nachzeichnen“ findest du in Inkscape im Menü Pfad, über das Tastenkürzel Umschalt+Alt+B oder per Rechtsklick auf das Bild. Mit Bitmap ist jedes Pixelbild gemeint (auch Rastergrafik genannt), also auch dein Logo als JPG oder PNG. Die Funktion macht daraus eine Vektorgrafik aus Pfaden: Formen, die in jeder Größe scharf bleiben. Ob du ein Logo, einen Schriftzug oder ein anderes Bild in Inkscape vektorisieren willst: Der Weg führt über diese Funktion.
Diese Anleitung beschreibt Inkscape 1.4. Die aktuelle Version ist 1.4.4 vom 6. Mai 2026. Seit Inkscape 1.0 gibt es dafür einen gemeinsamen Dialog, der auch das früher getrennte Werkzeug für Pixelkunst enthält. Seine drei Reiter heißen in der deutschen Oberfläche „Einmaliger Scan“, „Mehrfarbig“ und „Pixelkunst“. In älteren Versionen können die Bezeichnungen abweichen.
Im Hintergrund arbeitet Potrace, ein Programm von Peter Selinger, das seit Version 0.40 in Inkscape steckt. Daneben bietet der Dialog Autotrace an, einen zweiten Algorithmus, der laut der deutschen Inkscape-Anleitung etwas länger brauchen kann.
Wie kannst du ein Logo mit Inkscape vektorisieren?
Mit Inkscape vektorisierst du ein Logo in sieben Schritten, vom Import bis zum Speichern. Die Tastenkürzel stammen aus der Tastenreferenz für Inkscape 1.4.
- Bild importieren: „Datei > Importieren…“ (Strg+I). Wähl im folgenden Fenster bei „Art des Bildimports“ die Option „Einbetten“. Ein nur verknüpftes Bild fehlt, sobald du die Bilddatei verschiebst, und Inkscape zeigt an seiner Stelle einen roten Rahmen.
- Bild markieren: Klick es mit dem Auswahlwerkzeug an.
- Dialog öffnen: „Pfad > Bitmap nachzeichnen“ oder Umschalt+Alt+B.
- Reiter wählen: „Einmaliger Scan“ für ein einfarbiges Logo, „Mehrfarbig“ für mehrere Farben.
- Vorschau einschalten: Setz das Häkchen bei „Laufend aktualisieren“ oder klick auf „Vorschau aktualisieren“. Ändere die Einstellungen, bis alle Formen deines Logos gefüllt sind und der Hintergrund leer bleibt.
- Auf „Anwenden“ klicken: Die neuen Pfade liegen genau über deinem Bild, deshalb scheint sich nichts zu ändern. Zieh das Ergebnis mit dem Auswahlwerkzeug zur Seite, klick das Originalbild darunter an und lösch es mit Entf.
- Speichern: deine Arbeitsdatei als Inkscape-SVG, für die Druckerei eine Kopie als „Normales SVG (*.svg)“.
Welchen Modus von „Bitmap nachzeichnen“ nimmst du für dein Logo?
Für ein einfarbiges Logo nimmst du bei „Bitmap nachzeichnen“ den Reiter „Einmaliger Scan“ mit dem Erkennungsmodus „Helligkeitsschwellwert“, für ein mehrfarbiges Logo den Reiter „Mehrfarbig“ mit „Farben“. Die übrigen Modi sind für Sonderfälle gedacht.
- Helligkeitsschwellwert: Das Inkscape-Handbuch nennt ihn den am häufigsten genutzten Modus. Er erzeugt einen einzigen Pfad, eine Art Silhouette deines Logos, passend für einen Stempel, eine Gravur oder Flexfolie in einer Farbe.
- Kantenerkennung: bildet nur die Umrisse deiner Formen nach, nicht ihre Flächen.
- Strichzeichnung vektorisieren (autotrace): macht aus jedem Strich einen offenen Pfad, also eine bearbeitbare Linie statt einer gefüllten Fläche. Das Handbuch empfiehlt den Modus für Handschrift und Strichzeichnungen.
- Mehrfarbig mit „Farben“: teilt das Bild in Farbbereiche auf und legt für jeden Bereich einen eigenen Pfad an. Inkscape fasst diese Pfade zu einer Gruppe zusammen.
- Pixelkunst: gedacht für bewusst verpixelte Bilder im Stil alter Computerspiele. Bei anderen Bildern rät die Anleitung zur Pixelkunst zu einem der anderen Reiter.
Welche Einstellungen von „Bitmap nachzeichnen“ zählen?
Bei „Bitmap nachzeichnen“ entscheiden fünf Einstellungen über ein sauberes Logo: der Schwellwert, die Zahl der Scans, „Stapeln“, „Hintergrund entfernen“ und „Flecken“. Zu „Stapeln“, „Hintergrund entfernen“ und „Flecken“ zeigt Inkscape einen kurzen Hinweis, wenn du mit der Maus darüberfährst.
- Schwellwert (Einmaliger Scan): Er reicht von 0,0 bis 1,0. Je höher er steht, desto weniger Pixel gelten als weiß, und desto mehr wird zur Form. Zu niedrig, und helle oder dünne Teile deines Logos fallen weg; zu hoch, und auch Schmutz im Hintergrund wird zur Form.
- Scans (Mehrfarbig): die Zahl der Farbbereiche. Zähl die Farben, die wirklich im Logo stecken, den Hintergrund mitgerechnet: Ein rot-schwarzes Logo auf Weiß braucht drei Scans. Jeder Scan ergibt einen eigenen Pfad, mehr Scans als Farben also überflüssige Pfade.
- Stapeln: legt die Farbflächen übereinander statt nebeneinander. Ohne das Häkchen bleiben laut Hinweis meist Lücken zwischen den Flächen.
- Hintergrund entfernen: löscht nach dem Nachzeichnen die unterste Farbfläche, die Inkscape als Hintergrund behandelt. Bei einem Logo auf Weiß soll das der weiße Kasten sein; prüf nach dem Anwenden, dass nicht stattdessen eine Farbe deines Logos fehlt.
- Flecken: unterdrückt kleine Punkte bis zu einer einstellbaren Größe in Pixeln, etwa Staub aus dem Scanner oder Rauschen aus einem JPG. Daneben rundet „Ecken glätten“ spitze Ecken ab, und „Optimieren“ verringert die Zahl der Knoten. Bei einem eckigen Logo stellst du „Ecken glätten“ niedrig ein. Im Reiter „Mehrfarbig“ zeichnet „Glätten“ das Bild außerdem vor dem Nachzeichnen weich.
Warum wird das Ergebnis unsauber oder zu schwer?
Ein unsauberes oder schweres Ergebnis entsteht in Inkscape, weil „Bitmap nachzeichnen“ auch unscharfe Kanten, Rauschen und JPG-Kompressionsspuren in Formen verwandelt, jede mit eigenen Knoten. Die Inkscape-Anleitung stellt klar, dass kein automatisches Programm ein Bild exakt nachbilden kann: Inkscape liefert Kurven als Ausgangsmaterial. Drei Wege führen zu einem besseren Ergebnis.
- Eine bessere Vorlage: Je größer und schärfer dein Ausgangsbild, desto weniger Störungen werden zu Formen. Such die Originaldatei, bevor du an den Reglern drehst; wo sie stecken kann, zeigt unser Grundlagenartikel zum Vektorisieren.
- Pfad > Vereinfachen: Strg+L verringert die Zahl der Knoten. Die Darstellung wird laut derselben Anleitung „ein wenig grob“, die Zeichnung lässt sich aber viel leichter bearbeiten. Wie viele Knoten entstanden sind, zeigt Inkscape nach dem Nachzeichnen kurz in der Statusleiste an.
- Von Hand: Die Hilfe im Dialog selbst rät zum manuellen Nachzeichnen, wenn du möglichst wenige Knoten und eine hohe Präzision brauchst. Für ein Logo, das viele Jahre halten soll, kann sich dieser Aufwand lohnen.
Wie prüfst du das Ergebnis, bevor es zur Druckerei geht?
Dein nachgezeichnetes Logo prüfst du in Inkscape an drei Stellen: ob das Originalbild wirklich gelöscht ist, ob der weiße Hintergrund verschwunden ist und ob die kleine Schrift lesbar bleibt.
- Originalbild: Drück Strg+Alt+A, das wählt alles in allen Ebenen aus. Die Statusleiste nennt Anzahl und Art der ausgewählten Objekte. Taucht dort ein Bild auf, steckt dein Pixelbild noch in der Datei, und die Druckerei bekommt beides.
- Hintergrund: Klick mit gedrückter Strg-Taste neben dein Logo auf die weiße Fläche, denn Strg+Klick wählt auch innerhalb einer Gruppe aus. Wird dabei ein Pfad ausgewählt, ist der Hintergrund noch vorhanden; lösch ihn mit Entf.
- Kleine Schrift: Zoome auf die kleinsten Buchstaben und leg das Original daneben. Zugelaufene Innenräume, etwa im „a“ oder „o“, und fehlende Punkte fallen hier zuerst auf.
Wie speicherst du das Logo als SVG, EPS, PDF oder DXF?
Für die Druckerei speicherst du dein Logo in Inkscape als „Normales SVG (*.svg)“. Das Inkscape-SVG behält zusätzlich Daten, die nur beim Bearbeiten in Inkscape nützen; das normale SVG ist für alle gedacht, die kein Inkscape verwenden. Was sonst in einer SVG-Datei steckt, liest du in unserem Artikel zum Format.
- Arbeitsdatei: „Datei > Speichern unter…“ (Strg+Umschalt+S) als Inkscape-SVG. Diese Fassung behältst du.
- Datei für die Druckerei: „Datei > Kopie speichern…“ (Strg+Umschalt+Alt+S) und als Dateityp „Normales SVG (*.svg)“.
- EPS oder PDF, falls verlangt: wieder „Kopie speichern…“, diesmal mit „Encapsulated Postscript (.eps)“ oder „Portable Document Format (.pdf)“.
Das Inkscape-Handbuch empfiehlt für andere Formate genau diesen Weg über die Kopie, weil das Original als Inkscape-SVG Hilfslinien, Ebenen und andere Bearbeitungsdaten behält. Auf demselben Weg entsteht auch eine DXF-Datei für den Schneideplotter.
Wann lohnt sich Inkscape, und wann geht es schneller?
Inkscape lohnt sich, wenn du die Formen danach selbst bearbeiten willst, wenn dein Logo deinen Rechner nicht verlassen darf oder wenn du regelmäßig vektorisierst. Nach der Installation läuft das Programm offline, und jede Kurve bleibt veränderbar.
Für ein einzelnes Logo, das morgen in die Druckerei muss, ist ein Online-Konverter oft der kürzere Weg: Du installierst nichts und suchst keinen passenden Schwellwert. Was Inkscape, Illustrator und Online-Tools kosten und leisten, vergleicht unser Artikel über Vector Magic und seine Alternativen. Dieselbe Arbeit in Adobe Illustrator zeigt die Anleitung Illustrator vektorisieren.
Wie wird dein Logo ohne Schwellwert und ohne Häkchen zum SVG?
Ohne Schwellwert und ohne Häkchen bei „Hintergrund entfernen“ wird dein Logo auf Depixelise zur Vektordatei: Die Formen erkennt der Server selbst, und den Hintergrund entfernt er automatisch. Die Datei darf als PNG, JPG, WebP oder SVG kommen, höchstens 10 MB groß: Du ziehst sie ins Feld, die Umwandlung dauert etwa zehn Sekunden, und das Ergebnis erscheint in Großansicht. Stell den Vorschau-Hintergrund auf „Dunkel“ und zoome auf 400 oder 800 %: Bleibt kein weißer Kasten stehen, ist dein Logo wirklich freigestellt. Das Ganze ist 100 % kostenlos und ohne Wasserzeichen, ein Konto brauchst du nicht.
Im Druckpaket, das dir Depixelise per E-Mail schickt, liegen vier Dateien: dein SVG, ein transparentes PNG mit 2.000 Pixel Breite, eine Version ganz in Schwarz für Gravur oder Stempel und eine ganz in Weiß für dunkle Textilien.
Anders als Inkscape verarbeitet Depixelise dein Bild auf einem Server, und an der Umwandlung selbst stellst du nichts ein. Ein zu kleines Bild wird automatisch vergrößert und neu aufgebaut: Vergleich das Ergebnis deshalb mit dem Original. Ein EPS, PDF oder DXF liegt dem Paket nicht bei: Brauchst du eines, lädst du das SVG in Inkscape und legst mit „Kopie speichern…“ das verlangte Format an.
FAQ
Ist Inkscape wirklich kostenlos?
Ja, Inkscape kostet nichts: Es ist freie und quelloffene Software unter der GPL, und „Bitmap nachzeichnen“ ist fest eingebaut. Das Programm läuft unter Windows, macOS und Linux.
Warum meldet Inkscape „Wählen Sie ein Bild zum Nachzeichnen aus“?
Diese Meldung erscheint, wenn Inkscape in deiner Auswahl nicht genau ein Pixelbild findet: Es ist nichts markiert, mehr als ein Objekt oder etwas anderes als ein Bild. Klick das Bild allein an. Steckt es in einer Gruppe, wählst du es mit Strg+Klick darin aus.
Wie heißt „Bitmap nachzeichnen“ im englischen Inkscape?
Im englischen Inkscape heißt die Funktion „Trace Bitmap“ und liegt unter „Path > Trace Bitmap“, mit demselben Kürzel Shift+Alt+B. Die drei Reiter heißen dort „Single scan“, „Multicolor“ und „Pixel art“. Das hilft, wenn du einer englischen Videoanleitung folgst.
Wie färbst du eine nachgezeichnete Fläche in Inkscape um?
Eine nachgezeichnete Fläche färbst du in Inkscape um, indem du sie auswählst und im Dialog „Füllung und Kontur“ (Strg+Umschalt+F) eine neue Füllfarbe einstellst. Bei einem mehrfarbigen Ergebnis liegen die Flächen in einer Gruppe: Strg+Klick wählt eine einzelne Fläche aus, Strg+Umschalt+G löst die Gruppe auf.
Lässt sich ein SVG nachzeichnen, in dem nur ein Pixelbild steckt?
Ja, ein SVG, in dem nur ein Pixelbild steckt, öffnest du in Inkscape und zeichnest das enthaltene Bild wie jedes andere mit „Bitmap nachzeichnen“ nach. Das Ergebnis wird allerdings nur so gut wie dieses Pixelbild: Ist es klein oder unscharf, bleibt es eine schwache Vorlage. Woran du ein solches Schein-SVG erkennst, zeigt unser Artikel PNG in SVG umwandeln.